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Mit Schnellboot und Satellitentelefon auf Robbenjagd 

Ein dänischer Umweltreporter räumt mit dem romantischen Bild vom naturverbundenen Inuit auf 

     

von Hannes Gamillscheg (Kopenhagen) 

"Das Bild von Grönlands unberührter Natur und reichem Tierleben ist zerbrochen", warnt der dänische Umweltreporter Kjeld Hansen. Mit immer moderneren technischen Hilfsmitteln und ganz ohne ethische Bedenken machten die Grönländer Jagd auf ihre Naturressourcen und reduzierten den Bestand vieler Tierarten weit über das ökologisch verträgliche Maß hinaus.              

 

"Man ging in Grönland immer davon aus, dass ein Inuit (Eskimo) die Natur nicht zerstören könne, weil er selbst Teil der Natur sei und daher gleichsam mit einem Verständnis für Nachhaltigkeit geboren wurde", sagt Hansen. "Mit dieser Lüge im Selbstverständnis muss endlich Schluss sein!"       

 

Der Warnruf des Grönland-Experten hat auf der arktischen Insel erst eine heftige Polemik, dann aber vor allem Betroffenheit ausgelöst. Schließlich beruft Hansen sich auf Daten, die vor allem von einheimischen  und der grönländischen Selbstverwaltung angeheuerten Biologen stammen und in namhaften wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht wurden. So beschrieb der US-Biologe Kurt Burnham, dass er bei einer Fahrt durch den westgrönländischen Uummannaq-Distrikt auf Felsen, auf denen früher eine halbe Million Polarlummen nistete, keinen einzigen Vogel mehr entdeckte. Jetzt gibt es auf der riesigen Insel nur noch wenige kleine Kolonien von etwa 16 000 Tieren. Durch illegale Jagd im Sommer, wenn die Lummen brüten und bei ihren Jungen sind, ist der Bestand drastisch zusammengeschossen worden. Doch auch die "Wintergäste" aus Island, Norwegen und Russland fallen der hemmungslosen Jagd zum Opfer. An Walrossen gibt es nur noch zwei Bestände von je rund 30 bis 40 Tieren an der Nordostküste, wo der Zutritt verboten ist. Alle Herden an der bewohnten Westküste sind vernichtet, vor allem für die Trophäenjagd. Auch die abseits des Festlands lebenden Walrosse sind ernsthaft bedroht: ihre Schädel und Stoßzähne sind gefragte Souvenirs.       

 

"Würde dies in Afrika geschehen und Nashörner betreffen, hätte die Welt längst protestiert", sagt Hansen. Doch die Inuit-Völker seien von Anthropologen "viel zu lange romantisiert" worden. "Vor den Bergen verrottenden Fleischs hat man die Augen verschlossen." Mindestens 17 000 Tonnen Fleisch würden in Grönland jährlich erlegt, nur rund 40 Prozent davon verzehrt. Der Rest werde weggeworfen. Importierte Hähnchen oder Frühlingsrollen sind im Supermarkt viel billiger als die heimische Beute. Und das Bild vom der Natur angepassten Jäger, der im Kajak hinter seiner Beute her ist und sie mit der Harpune tötet, stimmt schon längst nicht mehr. "Heute fahren die Grönländer im Yamaha-Schnellboot mit 160-PS-Motor und den modernsten Waffen auf die Jagd. Im Boot haben sie ein Satellitentelefon, um die Freunde rufen zu können, wenn sie eine Walherde oder eine Robbenkolonie entdecken", sagt Hansen. Eine Jagdtour, für die ihre Väter noch drei Tage brauchten, legen ihre Söhne in drei Stunden zurück. Doch mit der technischen Entwicklung hielt die ethische Bewusstseinsbildung nicht Schritt.        

 

"Auf alles, was sich bewegt, wird geschossen. Eine Selbstbeschränkung gibt es nicht", meint Hansen, dessen Buch "Abschied von Grönlands Natur" nun auch ins Grönländische übersetzt wird. Der Bestand an Beluga-Walen ist demnach in den letzten zwanzig Jahren von 20 000 auf 8000 gefallen. Die speckbeschichtete Oberhaut, Matakk genannt, die roh gekaut wird, gilt als Delikatesse mit Kilopreisen von bis zu 25 Euro. Der Rest der Wale verkommt. Die Robbenjagd wird, weil sie wegen der niedrigen Fellpreise unrentabel ist, so stark subventioniert, dass ein Seehundfellmantel für 2000 Euro die Steuerzahler nochmals 4000 Euro Zuschuss kostet. 100 000 Robben wurden im Vorjahr abgeschossen. So viel Fleisch kann niemand essen Die abgehäuteten Kadaver werden zurück ins Meer geworfen.                        

 

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